«Den digitalen Nachlass zu regeln ist ein Liebesbeweis an die Angehörigen»
LegacyNotes ermöglicht es, alle relevanten Vorsorgedokumente sowie persönliche Daten und Passwörter an einem Ort digital zu sichern. Im Interview erklärt Mitgründer Nicolás Durán, wie Sie Schritt für Schritt vorgehen, um die Lösung zu nutzen. Und er verrät, welche Themen rund um den digitalen Nachlass am meisten unterschätzt werden.
1. Welche Bedürfnisse decken Sie mit LegacyNotes für Ihre Kundinnen und Kunden ab?
Im Kern sind es drei: Überblick, Selbstbestimmung und Entlastung der Angehörigen. Die meisten Menschen haben ihre Vorsorge im Hinterkopf, aber die Unterlagen liegen verstreut – die Patientenverfügung im Ordner, der Vorsorgeauftrag beim Notar, Versicherungen und Abonnemente irgendwo dazwischen, Zugangsdaten nur im Kopf. LegacyNotes bringt das an einem Ort zusammen und gliedert es in die drei Bereiche Alltag, Vorsorge und Todesfall.
Der zweite Punkt ist die Selbstbestimmung. Wer seinen Willen – sei es medizinisch, finanziell oder in Bezug auch die Bestattung – festhält, überlässt diese Entscheidungen nicht dem Zufall oder Dritten.
Und drittens die Entlastung: Als während der Entwicklung von LegacyNotes meine Mutter starb, habe ich selbst erlebt, was es heisst, innert Tagen Dutzende von Aufgaben zu erledigen – mitten in der Trauer. Liegen die Informationen bereit, wird aus einer mühsamen Suche eine geordnete Abarbeitung. Das ist am Ende weniger eine Frage der Technik als ein Liebesbeweis an die Menschen, die einem wichtig sind.
2. An wen richten sich die Dienstleistungen von LegacyNotes?
Grundsätzlich an jede erwachsene Person in der Schweiz – und zwar deutlich früher, als viele vermuten. Vorsorge wird gern als Thema der älteren Generation abgetan, aber eine Urteilsunfähigkeit nach Unfall oder Krankheit kann auch 35-Jährige treffen. Wir sehen typischerweise drei Auslöser: ein Lebensereignis wie Familiengründung, Wohneigentum oder Pensionierung, ein Todesfall im Umfeld oder schlicht das Bedürfnis, endlich Ordnung zu schaffen.
Eine zweite Zielgruppe sind die Hinterbliebenen. Unsere Sofort-Hilfe im Todesfall steht auch Personen offen, die um eine verstorbene Person trauern, welche selbst gar nie ein Konto bei uns hatte. Hinterbliebe werden kostenlos durch die wichtigsten Pflichtaufgaben der ersten Tage geführt.
Und drittens arbeiten wir mit Organisationen zusammen, die ihre Kundinnen und Kunden beim Thema Vorsorge begleiten – Banken, Versicherungen und Institutionen wie Pro Senectute. Für Docupass-Nutzende ist LegacyNotes die naheliegende Ergänzung: Die Dokumente sind erstellt, jetzt sollen sie im Ernstfall auch auffindbar sein. Als Kundin oder Kunde von Pro Senectute profitieren Sie von Vorzugskonditionen auf die kostenpflichtigen Angebote von LegacyNotes.
3. Stichwort digitale Nachlassplanung: Was verstehen Sie genau darunter?
Der Begriff meint zwei Dinge, die man auseinanderhalten sollte.
Das eine ist der digitale Nachlass im engeren Sinn: E-Mail-Konten, Social-Media-Profile, Cloud-Speicher mit Familienfotos, Streaming- und Software-Abos, allenfalls Krypto-Guthaben. Diese Werte verschwinden nicht mit dem Tod – sie laufen weiter, kosten Geld und sind für Angehörige ohne Zugangsdaten praktisch unerreichbar. Hier legen Sie fest, welches Konto gelöscht, in einen Gedenkzustand versetzt oder übergeben werden soll.
Das andere ist die digitale Abwicklung der gesamten Nachlassplanung: Patientenverfügung, Vorsorgeauftrag, Testament, Versicherungen, Bestattungswünsche – digital erfasst, strukturiert und im Ernstfall gezielt freigegeben.
Wichtig ist mir die Transparenz für die Nutzenden an dieser Stelle: Ein Testament muss in der Schweiz nach wie vor handschriftlich verfasst oder öffentlich beurkundet werden. Digital ist der Weg dorthin – und die sichere Aufbewahrung danach.
Sorgen Sie für den Ernstfall vor: der Docupass ist die anerkannte Gesamtlösung für die persönliche Vorsorge.
Zum Docupass4. Wie gehe ich vor, wenn ich meinen Nachlass mit LegacyNotes regeln möchte?
Am besten mit dem Vorsorge-Simulator. In rund zehn Minuten beantworten Sie Fragen zu Alltagsszenarien und sehen laufend, wie sich Ihre Entscheidungen auf Ihren Selbstbestimmungsgrad und auf die Belastung Ihrer Angehörigen auswirken. Am Schluss steht Ihre persönliche To-do-Liste – die Sie ausdrucken oder direkt in einem LegacyNotes-Konto weiterbearbeiten können.
Danach arbeiten Sie sich in Ihrem Cockpit Schritt für Schritt durch die Themen. Sie müssen nicht alles auf einmal erledigen; jeder abgeschlossene Punkt ist ein Gewinn. Bestehende Dokumente laden Sie hoch, fehlende erstellen Sie über unsere Vorlagen.
Zwei Punkte werden gern unterschätzt: Bestimmen Sie Ihre zugriffsberechtigten Personen und sprechen Sie mit ihnen darüber. Und prüfen Sie Ihre Angaben periodisch – wir erinnern Sie daran. Vorsorge ist kein einmaliger Akt, sondern ein Dossier, das mitwächst.
5. Wie gelangen Angehörige nach einem Todesfall an die hinterlegten Dokumente und Informationen?
Das regeln Sie zu Lebzeiten selbst: Sie bestimmen eine oder besser mehrere zugriffsberechtigte Personen und legen fest, welche Daten diese ab wann einsehen können. Die individuellen Zugangsdaten erhalten diese automatisch per E-Mail mit einem Login-Link. Das Passwort teilen Sie ihnen persönlich mit. Danach können die zugriffsberechtigten Personen sich einloggen.
Tritt der Todesfall ein, meldet sich die berechtigte Person auf unserer Plattform an und meldet den Todesfall. Danach öffnet sich das Hinterbliebenen-Portal: Ihre hinterlegten Informationen erscheinen nicht als Datenhaufen, sondern als eine nach Dringlichkeit geordnete Aufgabenliste, die abgehakt werden kann.
Gegen eine versehentliche oder missbräuchliche Aktivierung ist vorgesorgt – Sie werden bei einer Meldung per E-Mail informiert und können sie mit Ihrem Login jederzeit rückgängig machen.
6. Ein Blick in die Zukunft: Wie wird sich das Thema weiterentwickeln? Welche Rolle spielt KI?
Drei Entwicklungen sehe ich. Erstens wird digitale Vorsorge zur Normalität – die Generation, die demnächst in Pension geht, hat ihr ganzes Berufsleben digital organisiert und erwartet das auch hier. Zweitens wächst der digitale Besitz: Fotoarchive, Konten, digitale Vermögenswerte. Drittens wachsen die Systeme zusammen, etwa wenn die Patientenverfügung über das elektronische Patientendossier für das Behandlungsteam sofort sichtbar wird.
Die KI wird dabei nicht entscheiden, sondern begleiten. Ihre Stärke liegt darin, komplexes verständlicher zu machen, Lücken im eigenen Dossier zu erkennen und im richtigen Moment nachzufragen – etwa nach einem Umzug oder einer Geburt. Sie senkt die Hemmschwelle vor einem Thema, das viele meiden.
Zwei Grenzen sind mir wichtig: Solche Daten gehören in die Schweiz und unter die Kontrolle der Nutzenden. Und das persönliche Gespräch – mit Angehörigen, mit Fachpersonen – ersetzt keine Maschine.
Weiterführende Informationen:
Website LegacyNotes
Partnerschaft Pro Senectute und LegacyNotes
Zur Person
Nicolás Durán ist einer der Initiatoren und Mitgründer der LegacyNotes GmbH und verantwortet dort als «Architekt» die komplexen Prozesse, Strukturen und Darstellungen der Plattform sowie deren Kommunikation. Parallel dazu führt er als Mitgründer und Partner die Digital- und Brandingagentur Adicto in St.Gallen.Der Tod seiner Mutter während der Entwicklungsphase hat den Blick auf das Produkt nachhaltig verändert – und die Plattform auch konsequent auf die Perspektive der Angehörigen ausgerichtet.