Patientenverfügung

Mit einer Patientenverfügung bestimmen Sie selber, wie Sie medizinisch behandelt und gepflegt werden wollen, falls Sie urteilsunfähig werden. Wir beantworten Ihnen die wichtigsten Fragen rund um Ihre Patientenverfügung.

Was gehört alles in meine Patientenverfügung?

In Ihrer Patientenverfügung äussern Sie sich konkret zu Ihren Bedürfnissen bei Ihrer medizinischen Behandlung und Pflege, wenn Sie urteilsunfähig sind. Sie halten fest, welchen lebenserhaltenden und begleitenden Behandlungen Sie zustimmen und welche Sie ablehnen. Die Patientenverfügung wird nur angewendet, wenn Sie sich nicht mehr äussern können oder urteilsunfähig sind. In jedem anderen Fall entscheiden Sie nach Ihrem freien Willen.

Eine Patientenverfügung beinhaltet verschiedene Anweisungen und Wünsche:

In den Anweisungen für die medizinische Behandlung halten Sie fest, ob Sie lebenserhaltenden bzw. lebensverlängernden Massnahmen zustimmen. Sie können auch einzelne Massnahmen ablehnen oder annehmen.

Sie können zum Beispiel festhalten: «Ich möchte nicht durch eine Magensonde oder mittels Infusion künstlich ernährt werden.»

Formulieren Sie Ihre Wünsche gut verständlich und eindeutig. Je genauer Sie Ihre Anweisungen formulieren, desto verbindlicher sind diese für die behandelnden Ärzte.

Diese Anweisungen entsprechen der Kurzversion der Patientenverfügung.

Leider können Sie aber mit konkreten Handlungsanweisungen nicht jeden erdenklichen Fall abdecken. Mit einer zusätzlichen Werteerklärung (s. u.) helfen Sie den Ärzten und Ihrer Vertretungsperson, in Ihrem Sinne zu entscheiden.

In Ihrer Patientenverfügung können Sie eine Vertretungsperson einsetzen, die medizinische Fragen in Ihrem Sinne entscheidet. Suchen Sie dazu das Gespräch mit der entsprechenden Person und erklären Sie Ihren Wunsch. Ihre Patientenverfügung ist auch ohne Vertretungsperson gültig (vgl. ZGB Art. 370).

Am besten setzen Sie zudem eine stellvertretende Vertretungsperson ein. Diese springt ein, falls Ihre Vertretungsperson verhindert ist.

Wenn Sie eine Vertretung bestimmen, sollte diese Ihre Werte kennen und sich über ihre Aufgabe im Klaren sein. Nur so kann sie diese verantwortungsvolle Funktion in Ihrem Sinne wahrnehmen.

Eine zusätzliche Werteerklärung dient als Handlungsrichtlinie für Situationen, die Sie in Ihrer Patientenverfügung nicht explizit erwähnen.

In Ihrer Werteerklärung notieren Sie Werte und Überzeugungen, die Ihre Entscheidungen leiten. Hier fliessen persönliche Hintergründe, Vorstellungen und Erfahrungen ein. Beschreiben Sie z. B. Ihr Verständnis von Lebensqualität und Würde sowie Ihre Haltung zu Schmerzlinderung, Kontrollverlust und Abhängigkeit.

Eine Werteerklärung ist nicht zwingend erforderlich.

In der erweiterten Patientenverfügung schreiben Sie zusätzliche Wünsche nieder, die noch nicht erwähnt sind.

Dies können rituelle Bedürfnisse sein oder Ihr Wunsch nach Sterbebegleitung. Ausserdem notieren Sie hier, was nach dem Tod mit Ihrem Körper geschehen soll:

  • Möchten Sie Ihre Organe spenden?
  • Wollen Sie Ihren Körper für Forschungszwecke zur Verfügung stellen?

Ihre Patientenverfügung versehen Sie zum Schluss mit Ort, Datum und Ihrer Unterschrift (vgl. ZGB Art. 371). Am besten überprüfen Sie die Patientenverfügung alle zwei Jahre, ändern sie bei Bedarf und unterschreiben sie erneut.

Haben Sie Mühe, Ihre Patientenverfügung auszufüllen? Nehmen Sie sich Zeit, sich mit den Fragen auseinanderzusetzen. Gespräche mit engen Freunden, Ihrer Familie oder Ihren Pro Senectute Sozialarbeitenden helfen Ihnen bei den Entscheidungen.

Entspannte Seniorin: gut abgesichert mit einer Patientenverfügung.

«In meiner Patientenverfügung habe ich alle meine Behandlungswünsche festgehalten. So bestimme ich selber über medizinische und pflegerische Massnahmen, auch wenn ich nicht mehr urteilsfähig bin.»

Kann ich meine Patientenverfügung ändern?

Ja, Sie können Ihre Patientenverfügung jederzeit anpassen. Es ist gut möglich, dass Sie Ihre Einstellung zu Behandlungsmethoden ändern: beispielsweise nach einer einschneidenden Erfahrung.

Vermerken Sie kleinere Änderungen im bestehenden Dokument und versehen Sie dieses mit Datum und Unterschrift. Bei grösseren Änderungen erstellen Sie am besten eine neue Patientenverfügung und vernichten die bisherige.

Wo bewahre ich meine Patientenverfügung auf?

Für Patientenverfügungen besteht keine Hinterlegungspflicht. Sie können selber entscheiden, was Sie mit Ihrer Patientenverfügung machen.

Bedenken Sie aber: Ihre Patientenverfügung sollte für Ihre Angehörigen im Ernstfall schnell greifbar sein. Verstecken Sie Ihre Originale deshalb nicht, sondern wählen Sie einen leicht zugänglichen Ort. Zusätzlich lohnt es sich, je eine Kopie bei Ihrem Arzt und bei der Vertretungsperson zu deponieren.

Der Vorsorgeausweis in Ihrem Portemonnaie macht den behandelnden Arzt darauf aufmerksam, dass Sie eine Patientenverfügung verfasst haben.

Mit einem digitalen Gesundheitsdossier, z. B. auf Evita.ch, haben Sie jederzeit Zugriff auf Ihre Patientenverfügung. Im Notfall haben so medizinische Fachkräfte Zugang zu Ihrer Patientenverfügung.

Mehr Informationen zu persönlichen Vorsorgedokumenten finden Sie im DOCUPASS, Ihrem umfassenden Vorsorgedossier.

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Wenn die Patientenverfügung fehlt

Was passiert, wenn keine Patientenverfügung vorhanden ist? Wer entscheidet für Sie über medizinische Behandlungen?

Ohne Patientenverfügung werden die im Gesetz festgelegten Ansprechpersonen als medizinische Vertretung herangezogen. Das Vertretungsrecht erhält aber nur, wer sich «regelmässig und persönlich kümmert und Beistand leistet». Dabei wird die folgende Reihenfolge eingehalten (vgl. ZGB Art. 378):

  1. die in einem Vorsorgeauftrag bezeichnete Person
  2. der Beistand mit einem Vertretungsrecht bei medizinischen Massnahmen
  3. Ehegatte/Ehegattin oder eingetragener Partner oder Partnerin
  4. die Person, die mit der urteilsunfähigen Person einen gemeinsamen Haushalt führt
  5. Nachkommen
  6. Eltern
  7. Geschwister