Für eine sichere Vorsorge: Altersvorsorge 2020

Schon bei der Einführung der AHV stand Pro Senectute Pate. Seit 1917 kämpfen wir gegen die Armut im Alter. Es ist für uns deshalb selbstverständlich, dass wir uns aktiv für die vom Bundesrat lancierte Reform der schweizerischen Altersvorsorge einsetzen.

Was beinhaltet die Altersreform 2020?

Als Novum für die Schweiz sollen die 1. und die 2. Säule (AHV und berufliche Vorsorge) in einem gemeinsamen Schritt, der sogenannten «Reform der Altersvorsorge 2020», neu ausgerichtet werden.

Kernpunkte der Altersreform 2020 sind:

  • die Anhebung des Frauenrentenalters von 64 auf 65 Jahre
  • eine Flexibilisierung des Rentenbezugs
  • die Zusatzfinanzierung der AHV durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer um 1,5 Prozent
  • ein Interventionsmechanismus, sollte der AHV-Ausgleichsfonds unter 70 Prozent einer Jahresausgabe fallen
  • die Senkung des Umwandlungssatzes von 6,8 auf 6 Prozent sowie eine Kompensation der Rentenausfälle durch die Ausweitung des versicherten Lohnes

Was bedeutet die Altersreform 2020 für künftige Seniorinnen und Senioren?

Bei der aktuellen Reform der Altersvorsorge 2020 steht der Erhalt des Leistungsniveaus im Vordergrund. Dies ist aus zwei Gründen zentral:

  1. Vorlagen, die eine Rentenkürzung beinhalten, sind regelmässig an der Urne gescheitert.
  2. Bereits heute beziehen 197’417 Menschen Ergänzungsleistungen zur AHV (Stand 2015), weil ihr Einkommen aus AHV und Pensionskasse ungenügend ist.

Die geplante Flexibilisierung des Renteneintrittsalters und die Senkung der Eintrittsschwelle der obligatorischen beruflichen Vorsorge wird insbesondere Frauen zugutekommen, die häufig in Tieflohnbereichen und mit Teilzeitpensen arbeiten.

Die Schaffung von Teilrenten zwischen 62 und 70 ermöglicht den schrittweisen Ausstieg aus dem Erwerbsleben.

Wo gibt es Optimierungsbedarf?

Wir haben wiederholt für eine Einschränkung des Kapitalbezugs in der beruflichen Vorsorge plädiert. Der Bundesrat hat diesen Punkt nun im Entwurf für eine EL-Reform aufgenommen, welcher am 25. November 2015 in die Vernehmlassung ging. Pro Senectute hat an dieser Vernehmlassung teilgenommen. Knackpunkt der Vorlage ist die Existenzsicherung für Menschen in prekären finanziellen Verhältnissen: Die Erhöhung der Mehrwertsteuer wird zu höheren Lebenskosten führen. Dies sollte bei der Berechnung des Lebensbedarfs von Personen im AHV-Alter mit Ergänzungsleistungen berücksichtigt werden.

Unsere vollständige Vernehmlassung zur Altersreform 2020 finden Sie hier.

Wo steht der Prozess heute?

Im November 2014 hat der Bundesrat die Botschaft zur Reform der Altersvorsorge 2020 verabschiedet und an das Parlament überwiesen. Am 17. März 2017 hat das Parlament die Reform nach zähem Ringen um einen Kompromiss verabschiedet. Am 24. September 2017 wird die Bevölkerung über die Vorlage abstimmen. Die Reform soll am 1. Januar 2018 in Kraft treten.

Wesentliche Punkte der aktuellen Vorlage:

Rentenalter Frau 64 → 65
(Erhöhung Rentenalter um drei Monate pro Jahr, einheitliches Rentenalter 65 für Frauen und Männer ab 2021)
Umwandlungssatz 6.8 → 6.0 %
(Senkung in vier Schritten ab 2019)
AHV-Beitrag + 0.30 % (ab 2021)
AHV-Rente + CHF 70 / Monat
Ehepaarrente + 5 % (max. + CHF 226 / Monat)
MWST + 0.6% 
(in zwei Etappen: 0.3 % im 2018 durch Übertragung IV-Zusatzfinanzierung an AHV, 0.3 % zusätzlich im 2021)
Koordinationsabzug senken auf CHF 21'150
Einzahlungen für 2. Säule Ab Alter 25 (wie bisher)
Witwenrente beibehalten

 Das Bundesamt für Sozialversicherungen bietet Ihnen hier einen Überblick über die Vorlage im Detail.

Was tut Pro Senectute?

Pro Senectute hat den bundesrätlichen Vorschlag einer Gesamtschau der 1. und 2. Säule von Beginn an unterstützt.

  • Im Herbst 2015 veranlasste Pro Senectute bereits zum zweiten Mal eine Umfrage zur Rentenreform: Mit 57 Prozent unterstützte eine Mehrheit der Bevölkerung die Reform der Altersvorsorge 2020, da das Paket als ausgewogener Kompromiss wahrgenommen wird. Gegenüber dem Vorjahr hat jedoch die Verunsicherung bei den Jüngeren zugenommen. Die Resultate der Umfrage lesen Sie hier.

 

  • Pro Senectute hat wiederholt sämtliche Akteure zu einer Annäherung aufgefordert. 

Die aktuelle Vorlage beinhaltet einen starken Solidaritätsgedanken, der den Generationenfrieden stärkt. Wie und ob sich Pro Senectute im Abstimmungskampf engagieren wird, entscheidet die Präsidentenkonferenz der Pro Senectute Organisationen am 22. Juni 2017.

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